Lifestyle hin oder her: Wir müssen heute mal ganz sachlich werden. Wirklich. Das ist einfach dran. Kein Glamourfaktor heute. Rat und Lebenshilfe – aus gegebenem Anlass quasi.

Es ist nämlich Urlaubszeit. Und es ist Freitagabend. Das ist schön, vor allem natürlich für die, die nächste Woche Urlaub haben. Obwohl – das ist eine Aussage, die grundsätzlich zu hinterfragen ist: Nicht jedem tut Urlaub gut. Vor allem gemeinsamer Urlaub ist oft schwierig. Es treffen dann Bedürfnisse in Zeit und Raum aufeinander, die nicht immer miteinander vereinbar sind. Das ist allerdings auch zweitrangig. Wichtig ist vor allem, auf Instagram extrem stylische Urlaubsbilder zu posten und dabei verdammt gut auszusehen. Aber das ist ein anderes Thema. In diesen Tagen sind jedenfalls viele Menschen im Urlaub, Briefkästen, Postfächer und Mailboxen quellen über, die Arbeit stapelt sich unerledigt auf den Schreibtischen und Kollegen, Partner und Kunden beweisen ihre Dichtkunst beim Verfassen von Abwesenheitsnotizen. Gern auch zweisprachig. Von einer solchen Abwesenheitsnotiz erhofft sich der geneigte Empfänger doch zumeist harte Fakten: Wie lange weg, wer ist zuständig. Das war’s. Die Realität sieht anders aus: Von #sieunterbrechenmeinenurlaub bis zur Empfehlung, sich in dringenden Fällen und der Nummer 112 an die Notrufzentrale zu wenden ist alles dabei. Der Humor wird dabei ebenso strapaziert wie eine möglicherweise gegebene Neigung zum Sozialneid: Wir sind jetzt am Strand. Am 8. August geht es weiter. We are on the beach till August. Have a lovely summer! Dabei gibt es im Internet reihenweise Ratgeber, die vor zu viel Originalität beim Gestalten der Abwesenheitsnotiz warnen. Denn wie jede Art von Kommunikation repräsentiert auch die automatisch versendete E-Mail das jeweilige Unternehmen nach außen. Zum einen empfiehlt es sich deshalb, dem Duktus der Branche einigermaßen gerecht zu werden; zum anderen zeugt es doch von Empathie, wenn man die Wünsche des potenziellen Empfängers einer solchen E-Mail ein bisschen im Blick behält. Und der hatte ja ein Anliegen, so viel ist klar. Nun denn. Es gibt ein paar Essentials, die weiterhelfen:

  • Eine E-Mail hat immer eine Anrede, auch wenn es sich „nur“ um eine Abwesenheitsnotiz handelt; und nein: „Tach auch“ oder „Ahoi“ sind keine adäquaten Anredeformen.
  • Sie sind nicht erreichbar: Schön für Sie; den Leser der Nachricht wird aber sicher mehr interessieren, wann Sie wieder zurück sind – denn auf dieser Basis wird er entscheiden, ob sein Anliegen auf Sie warten kann.
  • Kein Muss, aber „nice to have“: Es wird generell als zugewandt empfunden, wenn man trotz aller Urlaubsfreuden einen gewissen Eifer darin an den Tag legt, dem jeweilige Adressaten doch bald wieder ungeteilte Aufmerksamkeit schenken zu dürfen.
  • Seien Sie versichert: Wenn Sie „für dringende Fälle“ eine Mobilnummer angeben oder versprechen Ihre Mails dann doch gelegentlich abzurufen – jedes, aber auch wirklich jedes Anliegen ist dringend genug um auch im Urlaub von Ihnen bearbeitet zu werden.
  • Last but not least: Niemand ist unersetzlich. Benennen Sie jemanden, der Ihre Aufgaben, sofern sie eben nicht warten können, übernehmen kann.

In diesem Sinne: Ich freue mich unbändig auf unzählige Urlauber, die sämtliche Empfehlungen missachten und mich mit lustigen Abwesenheitsnotizen unterhalten. Wer in Vertretung zuständig ist, finde ich selber raus. Und wann mein Ansprechpartner wieder da ist, werde ich schon merken.

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